Als waschechte Darmstädterin, ja sogar "Watzeverddlerin", ist dieser Begriff mit Radtouren, Ausflügen, Schnee, Walken, dem Oberwaldhaus und tollen Landschaftseindrücken verbunden. Hier lernten meine beiden Töchter das Laufen und Radfahren, hier gehe ich zu jeder Jahres- und Tageszeit stundenlang mit meinem Mann spazieren und schmiede alle Pläne und Vorhaben, die wir schon geleistet und noch vor uns haben, hierher unternahm ich auch die ersten mühsamen Spaziergänge nach einer schweren Krankheit und dies gab mir wieder viel Energie und Kraft.
Im Jahr 2000 gründeten Eltern der Christophorus-Schule - eine heilädagogische Schule für seelenpflegebedürftige Kinder - eine Initiative, in der wir uns um die Zukunft unserer und anderer Kinder kümmerten. Da die einzige anthroposophische Einrichtung in diesem Raum, die Heydenmühle bereits voll belegt ist, suchten wir nach einer Möglichkeit, einen ebenso wünschenswerten Raum für unsere Kinder zu schaffen. Als sich nun dankenswerter Weise, die tolle Möglichkeit bot, gemeinsam mit dem Verein "Initiative Domäne Oberfeld" für dieses große beeindruckende Vorhaben zu kämpfen, sah ich darin all meine Ideen und Wünsche vereint.
Meine Vorstandsarbeit für den Verein "Projekt Lebensweg" sehe ich als wunderbare Chance, meine Verbundenheit zu diesem Fleckchen Natur in Darmstadt, meine heimliche Liebe zur Landwirtschaft und dem Engagement für alle "Besonderen Menschen" zu verbinden. Hier eine neue Heimat, ein heilendes, behütendes Lebensumfeld für unsere Menschen mit Behinderung zu schaffen, in der ihre Selbstständigkeit gefördert wird und in den Hofbetrieb integrierte Arbeitsplätze entstehen, ist für mich zur Zeit einfach das größte, sinnvollste und schönste Projekt. Es ist erweiterbar, ausbaufähig und ein Geschenk für alle Darmstädter.
Dank der tatkräftigen Unterstützung meiner ganzen Familie und unserer Freunde, werde ich weiterhin das Vorhaben begleiten und vorantreiben, um dann in Zukunft hoffentlich nur noch gemütlich im Café zu sitzen und etwas Leckeres vom "Oberfeld" essen zu können.
Mein Lebensmittelpunkt ist seit über zwanzig Jahren meine Familie, besonders
meine beiden Söhne Lukas und Moritz. Nach Studium und Heirat kamen sie 1985
und 1987 zur Welt.
Ihr Anderssein, sie haben das Fragile-X-Syndrom, bestimmt
viele vorausplanenden Lebensentscheidungen, die mein Mann und ich getroffen haben
und noch treffen werden. So fiel schon früh die Entscheidung, sie in anthroposophische
Einrichtungen zu geben. Das Menschenbild der Anthroposophie, das nicht die Defizite
in den Vordergrund stellt, sondern den ganzen Menschen mit seiner unversehrten
Seele ansprechen will, hat uns sehr geholfen, unser Schicksal anzunehmen und positiv
zu wenden.
Als Hausfrau hatte ich die Möglichkeit, mich ehrenamtlich
in der Schule meiner Kinder, der Christophorus-Schule (eine heilpädagogische
Schule in Mühltal mit dem Lehrplan der Waldorfschulen) zu engagieren. Im
Jahr 2000 schlossen sich dann Eltern in einer Initiative zusammen, die schließlich
den Verein "Projekt Lebensweg" gründete, dessen Vorstand ich seit
seiner Gründung 2003 angehöre.
Die einmal eingeschlagene Richtung soll nun auch die Erwachseneneinrichtung auf dem Oberfeld einnehmen. Dort bildet der landwirtschaftliche Betrieb, der biologisch-dynamisch wirtschaftet, eine ideale Verbindung mit der anthroposo-phischen Sozialtherapie, denn beide haben den gleichen Lebens- und Arbeitsrhythmus, der von natürlichen Zyklen - wie z.B. den Jahreszeiten - bestimmt wird. So kann hier ein wunderbarer Lebensort entstehen - auch für meine Söhne, die sich von uns Eltern lösen sollen, und bereits in der Werkstatt für behinderte Menschen der Heydenmühle (eine anthroposophische Einrichtung in Lengfeld/Otzberg) als "Externe" arbeiten. Mein Mann und ich haben einen Schritt des "Loslassens" getan und eine Buchhandlung übernommen, die nun meinen zweiten Lebensmittelpunkt bildet.
Die Einzelvorstellung wird nachgereicht.